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Zum Sonntag, den 26. April

Ein kleiner Gottesdienst aus der Jesus-Christus-Kirche

von Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhase

und Elke Bernitt (Orgel)


https://soundcloud.com/thomas-bernitt/gdpodcast_2020-04-26

 

Den Schrecken besiegen

Auch heute, am zweiten Sonntag nach Ostern - wir haben den 26. April 2020 - ist es noch nicht möglich, Gottesdiente in unseren Kirchen zu feiern. Dieser Virus macht sich weiter breit – nicht nur in unserem Land, weltweit.

Deshalb müssen wir behutsam sein,

und eine Zeit lang auf manches, was uns wichtig und lieb ist, verzichten,

auch auf die Gemeinschaft in einem Gottesdienst.

 

Hier in der Meinerzhagener Jesus-Christus-Kirche sind jetzt nur wir drei:

- Elke Bernitt, Kirchenmusikerin unserer Gemeinde, an der Orgel,

- Ihr Mann, Thomas Bernitt, unser Technikfachmann,

- und ich, Klaus Kemper-Kohlhase, Pfarrer hier in der Evangelischen Kirchengemeinde

Meinerzhagen.

 

Wir sind hier - auch und gerade unter diesen besonderen Umständen -

im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Wie behütet uns Gott? So fragen wir gerade in diesen Zeiten,

Wie behütet er - in einer Welt, die wahrhaftig an rund um den Globus kein Bild von Geborgenheit abgibt.

 

Trotz allem lasst uns dem anvertrauen,

was uns der Wochenspruch aus dem Johannesevangelium ans Herz und in die Seele legt:

„Christus spricht:

Ich bin der gute Hirte.

Meine Schafe hören meine Stimme,

und ich kenne sie und sie folgen mir;

und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

 

Wenn gleich die Orgel zu hören ist, werden manche die Melodie erkennen.

Zwei Lieder aus unserem Evangelischen Gesangbuch singen wir auf diese Melodie.

Eins davon beginnt mit den Worten, die dem entsprechen, was Christus über sich sagt:

 

EG 358,1.2:

 

„Es kennt der Herr die Seinen - und hat sie stets gekannt,

die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land;

er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein.

Im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.“

 

Und in der zweiten Strophe heißt es dann:

„Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut

und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut;

der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort sich nährt

und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt.“

 

Orgel EG 358

 

Gedanken zum 1. Petrusbrief (2,21-25):

 

Wer den Spuren des Hirten folgt, der kommt nicht drum herum, auch seinen Leidensweg mitzugehen. Das führt uns der 1. Petrusbrief im zweiten Kapitel vor Augen:

Da schreibt der Apostel:

„Auch Christus hat für euch gelitten.

Er hat euch ein Beispiel gegeben,

damit ihr ihm in seiner Spur folgt.

Er hat keine Schuld auf sich geladen

und aus einem Munde kam nie ein unwahres Wort.

Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück.

Wenn er litt, droht er nicht mit Vergeltung.

Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.

Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz.

Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben.

Durch seine Worte erfahrt ihr Heil!

Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten.

Aber jetzt seid ihr zum Hirten und Beschützer eurer Seelen zurückgekehrt.“

Petrus müht sich in seinem Brief nach Kräften.

Er will Menschen von Jesus erzählen; Menschen, die zu vergessen drohen.

Bald nach Ostern wurden christliche Gemeinden gegründet;

Apostel erzählten weiter, was sie erlebt haben,

dass Jesus nicht im Tod geblieben, sondern in Ihnen ganz lebendig ist - und lebendig mache.

Doch je mehr Zeit verging, desto mehr verblasste auch der Schwung der ersten Jahre.

Bei diesen Zeilen des Petrus, die ich vorhin gelesen habe, sind wir schon etwa im Jahr 100 nach Jesu Geburt, also gut 70 Jahre nach seinem Jesu Tod und seiner

Auferstehung.

Da muss Petrus deutlich werden und Jesus als den „Hirten und Beschützer eurer Seelen“ gleichsam neu anpreisen.

Die Schrecken in der Welt zur Zeit des Petrus waren groß geworden,

das Vertrauen in den Hirten eher klein.

Das Böse war übermächtig geworden und schlich umher wie ein „brüllender Löwe“.

Dieses ausdrucksstarke Bild gebraucht Petrus für die beängstigenden Umstände seiner Zeit.

So mancher, der viel vom Bösen erzählt, will uns auf der einen Seite erschrecken,

Viele von denen, die das Böse zum Thema haben, - in Büchern und Filmen oder sonstwo -

wollen damit aber auch unsere Kräfte wecken oder stärken,

unsere Kräfte, dem Bösen mutig zu widerstehen.

Einer, der viel vom Bösen erzählte, war der Filmemacher Alfred Hitchcock.

Er ist vor 40 Jahren gestorben ist, am 29. April 1980.

Seine Filme sind zwar alt, aber sie sind lebendig wie eh und je.

Und manche Schrecken, die er uns einjagte, sind sogar noch größer geworden

- wie in dem Film „Die Vögel“, in dem sich die Natur gegen den Menschen zu wehren beginnt,

rätselhaft und grausam. Dieser Gleichnisfilm aus dem Jahr 1963 weist darauf hin, dass sich die Schöpfung nicht alles gefallen lassen wird.

Hitchcock wollte mit seinen Filmen immer, dass wir das Böse erkennen,

aber er wollte mit seinen Filmen auch, dass wir unsere Kräfte wecken, um das Böse zu besiegen.

Oft hilft dabei die Liebe - in seinen Filmen wie im Leben!

Wenn wir liebevoll miteinander umgehen, dann stützen wir einander,

- und werden stärker, gegen das Böse anzugehen.

Der Apostel Petrus beschwört geradezu die Liebe Jesu.

Und stellt dann in wenigen Worten klar, was diese Liebe für uns bedeutet:

Durch seine Wunden, schreibt er, durch Jesu Wunden sind wir geheilt, sind wir heil geworden.

Wenn Petrus von Heil spricht, überhaupt, wenn in der Bibel von Heil die Rede ist,

dann ist damit der Einklang gemeint, das Einssein mit Gottes Wollen,

Wenn ich im Einklang mit Gottes Willen lebe, dann bin ich auch eins mit mir.

Wenn ich dem Willen Gottes entspreche,

dann bin in mit mir eins, dann bin ich mit mir im Reinen

- und mit all denen, mit denen ich zusammen lebe hier auf dieser Erde.

Unser Wollen, sagt Petrus, soll sich nicht gegen das Wollen Gottes auflehnen.

Denn die werden heil und meiden das Böse, die Gottes Willen tun

- gerade dann, wenn dieser dem eigenen Willen entgegensteht.

Solch ein Vertrauen zu Gott, solch eine Liebe zu ihm und untereinander,

stellt sich allem Bösen entgegen

wachsam, besonnen, zuversichtlich, liebevoll und kreativ

und macht so manchem Schrecken ein Ende!

 

In dem Lied, aus dem ich vorhin die ersten beiden Strophen gelesen habe

- „Es kennt der Herr die Seinen“ - heißt es in einer weiteren übrigens:

 

EG 358,3.4 Es kennt der Herr die Seinen

„Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut,

die fröhlich auf dem einen, dass ER der Herr ist, ruht,

in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn,

die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.

Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht

und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen sucht,

die andern so begegnet, wie ER das Herz bewegt,

die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.“

 

Orgel

 

Gebet:

Jesus Christus, der von sich als dem guten Hirten gesprochen hat,

hat seinen Jüngerinnen und Jüngern damit Mut gemacht

und ihre Zweifel zerstreut.

Angst und Zweifel bestimmen auch heute unser Leben.

Deshalb lade ich ein, gemeinsam mit mir zu beten.

Gott, vor dir denken wir an die Verantwortlichen in Wissenschaft, Politik und Kirche,

die sich um einen ausgewogenen und behutsamen Ausstieg aus den Einschränkungen angesichts der Verbreitung des Corona-Virus bemühen.

Hilf uns, weiterhin behutsam zu sein,

und uns nicht in falscher Sicherheit zu wägen,

sondern miteinander besonnen die Schritte zu gehen, die ratsam sind

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten,

für Pflegerinnen und Pfleger in den Senioren-Einrichtungen,

die sich um besonders Schutzbedürftige kümmern;

und für alle, die nach Mitteln und Wegen forschen,

um Menschen zu heilen und nachhaltig zu schützen.

Wir beten für die Menschen,

die sich jetzt wieder bei milderem Wetter in Booten auf das Mittelmeer wagen,

weil sie für sich und ihre Familien

eine menschenwürdige, sichere Zukunft in Europa erreichen wollen.

Wir beten für alle Menschen, die ihre Hoffnung im Glauben spüren,

für die vielen, die die Botschaft des Evangeliums

- auch unter den Bedingungen des Versammlungsverbots -

zu den Menschen und in alle Welt tragen.

Wir denken vor dir, Gott, auch an all die Kinder und Jugendlichen,

die sich gemeinsam mit ihren Eltern auf die Konfirmation oder die Erstkommunion vorbereitet und gefreut haben, die nun verschoben werden müssen.

Gott, dein Sohn Jesus Christus hat uns gezeigt,

welche Heilkraft vom Glauben und von der Liebe ausstrahlen kann.

Wir danken dir für sein Leben und seine Auferstehung.

ER gibt uns Mut, aber auch Besonnenheit, Zuversicht und den Blick füreinander.

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gibt uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

So segne uns alle Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist.

Sein Friede sei mit uns.

 

Ihr Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhaase